Ich kann einfach nicht aufhören
Liebe:r Leser:in
Ich habs wieder vermasselt. Wie jedes Jahr. Der letzte Konfettiregen ist gefallen, die letzte Schnitzelbank gespielt. Aber während nun eigentlich 40 Tage Fastenzeit angesagt wären, stopfe ich weiterhin alles in mich rein. Ich schlinge hemmungslos weiter, obwohl ich weiss, dass es mir nicht guttut. Insta, Tiktok, Facbook, X: Oft kann ich gar nicht so viel reinschaufeln, wie ich kotzen möchte. Let’s face it: Ich leide an Cyber-Bulimie.
Wann ist uns eigentlich die Einsicht abhandengekommen, dass bewusster Verzicht hin und wieder der sinnvolle Ausgleich zur permanenten Völlerei wäre – auf dem Teller genauso wie auf dem Tablet? Nicht nur: weniger Zuckerschock. Sondern auch: weniger Zuckerberg. Nicht nur: weniger gesättigte Fettsäuren. Sondern auch: weniger mehrfach unbestätigte Fettlettern.
Gut, natürlich gibt es vereinzelt Leute, welche die Kunst der Entsagung beherrschen. Gianni I. verzichtet zum Beispiel auf jede Selbstachtung, Viktor O. auf jegliche Empathie gegenüber der Ukraine und Donald T. auf die Inanspruchnahme eines ganzen (in der Schädelhöhle befindlichen) Organs.
Apropos Anspruch: Der Letztgenannte soll bekanntlich ein Lazarettschiff nach Grönland beordert haben. Weshalb Europa nicht postwendend eine schwimmende Demenzklinik vor die US-Küste entsandt hat, ist schlicht unverständlich. Und genauso ein Lehrbeispiel für falschen Verzicht wie jener des Alpamare auf laufende Instandhaltung oder Xavier Naidoos Verzicht auf gesunden Menschenverstand.
Aber zurück zum Fasten. Eine Überflussgesellschaft waren wir ja schon eine Weile. Inzwischen sind wir zur Überflutungsgesellschaft geworden. «Flood the zone with shit» postulierte Steve Bannon bereits 2018. Längst ist der Fluss zum autoritativen und generativen Fake- und Fäkalstrom angeschwollen, der durch sämtliche Kanäle quillt. Wir alle sehen es, wir alle riechen es. Uns droht KO durch KI.
Dennoch: 40 Tage Digital Detox sind einfach illusorisch. Ich bin ja schon stolz, wenn ich im Wachzustand 40 Minuten schaffe. Wahrscheinlich ist das ganze Fasnachts-Fastenzeit-Konzept auch völlig aus der Zeit gefallen. Aus einer Zeit, in der wir durch einen ganzjährigen, globalen Politkarneval torkeln. Eigentlich müsste die ganze Sache umgedreht werden – und wenigstens einmal im Jahr für 72 Stunden auf Ruhe, Anstand, Besonnenheit herrschen. Die drey scheenschte Däg 2.0 gewissermassen.
Bis dahin wird wohl noch eine Menge Shit den Strom runterfliessen. So oder so: In einer Woche kommt mein nächster Letter. Stell dir also einen Reminder, falls du dazwischen detoxen willst.
Herzlich, deine Paula Petarde
Ich habs wieder vermasselt. Wie jedes Jahr. Der letzte Konfettiregen ist gefallen, die letzte Schnitzelbank gespielt. Aber während nun eigentlich 40 Tage Fastenzeit angesagt wären, stopfe ich weiterhin alles in mich rein. Ich schlinge hemmungslos weiter, obwohl ich weiss, dass es mir nicht guttut. Insta, Tiktok, Facbook, X: Oft kann ich gar nicht so viel reinschaufeln, wie ich kotzen möchte. Let’s face it: Ich leide an Cyber-Bulimie...
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