Na dann, guten Vorabend!
Liebe:r Leser:in,
Echt beschissen, das alles. Gilt schon für das ganze WEF-Theater an sich. Aber auch die Idee, darüber zu schreiben, während es noch im Gang ist. Da sitzt du vor deiner leeren Dokumentseite – und hast keine Ahnung, ob der orange Affe bis zum Versand deiner Zeilen nach einer weiteren abgestorbenen Hirnzelle/einem neuerlichen Wortwechsel mit KKS/einer zu warm servierten Cola nochmals alles über den Haufen geworfen hat. Wird Grönland vielleicht in diesem Moment doch besetzt? Hat Deutschland das Bernsteinzimmer schon rausgerückt? Kommt die Bundeslade ins Oval Office oder direkt nach Mar-A-Lago? Vielleicht vermochte sich die Weltgemeinschaft auch mit der feierlichen Aushändigung von Rolf Knies Ehren-Prix-Walo einige Stunden Luft zu verschaffen. Immerhin ist dieser Pokal nicht nur goldig, sondern auch ähnlich löchrig wie der präsidiale Frontaldemenzlappen.
Das wäre schön für die Weltgemeinschaft, nur habe ich so trotzdem noch keinen Einstieg. Vielleicht etwas Literarisches? Vor gut 100 Jahren erschien Thomas Manns «Der Zauberberg» und machte Davos zum Schauplatz einer weltentrückten Handlung am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Der Vorabend-Vibe ist uns ja wieder sehr vertraut, nur von Zauber ist kaum was auszumachen. Vor unseren Augen erhebt sich vielmehr ein monumentaler Schauderberg, umschwirrt von Privatjets, Potentaten und Profiteuren – wie Fliegen um einen Dunghaufen. Tschuldigung, das war jetzt reichlich deplatziert. Dung bewirkt schliesslich durchaus Positives.
Für einmal über etwas Positives schreiben wäre natürlich auch ein Ansatz. Eine neue Studie weckt Hoffnung für die verbliebenen 17 Exemplare des asiatischen Geparden. Ein aktuelles Interview mit Aussenminister Cassis weckt Hoffnung auf das Vorhandensein eines Rückgrates. Und ein altes Märchen weckt – bei mir jedenfalls – die Hoffnung, dass am Ende manchmal auch die Gerechtigkeit siegt: Wer kennt es nicht, das Märchen vom sprechenden Butt, dem Fischer und seiner Frau Ilsebill, deren Gier, Masslosigkeit und Machthunger dazu führt, dass sie am Ende wieder in ihrem Pissputt, einer mickrigen Hütte, lebt? Solltest du also zufällig demnächst einem sprechenden Fisch begegnen: Bitte umgehend mit Präsident Vieldebil – pardon: Ilsebill – in Verbindung setzen.
Und nachdem du jetzt über 2400 Zeichen respektive 120 Sekunden abgelenkt warst, musst du zwischendurch unbedingt im Newsticker deines Vertrauensnachschauen, ob das US-Banner immer noch 50 Sterne hat, bevor du weiterscrollst.
Herzlich,
deine Paula
Echt beschissen, das alles. Gilt schon für das ganze WEF-Theater an sich. Aber auch die Idee, darüber zu schreiben, während es noch im Gang ist ...
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