Ostern abschaffen
Liebe:r Leser:in
Schon bald ist Ostern, und einmal mehr stellt sich die Frage: Was bringt uns der Osterhase?
Also, nicht im materiellen Sinne gemeint, mich interessieren die Ostereier und Nestli und all der Kram nicht wirklich. Nein, die Frage ist sinnsuchend gemeint. Was bringt uns der Osterhase?
All die anderen Fantasiewesen haben schliesslich eine Aufgabe, die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt dient: Der Samichlaus sorgt dafür, dass die Kinder schön artig sind – im Gegenzug gibt es Nüssli, Mandarindli und so Zeug. Die Zahnfee erzieht die Jugend zum pflichtbewussten Umgang mit ihren Beisserchen – das wird mit Geld oder billigem Temu-Ramsch beglichen. Und Mark Zuckerberg möchte gerne unsere Daten – im Gegenzug gibt es Dopamin.
Doch was genau ist die Aufgabe des Osterhasen? Er gibt uns Schöggeli und Eier, schön und gut, doch im Gegenzug wofür? Für nichts! Der Osterhase will: Nichts! Er fordert nichts ein, wir schulden ihm nichts. Nicht einmal ein Verslein aufsagen müssen unsere Kinder. Er gibt ihnen einfach die Sachen und verschwindet dann wieder.
Sagen wir es doch, wie es ist: Dieser Pestalozzi des Nestliversteckens, dieser Pfarrer Sieber der bemalten Hühnerperiode, er erfüllt keinen Zweck. Der Nutzen des Osterhasen ist überschaubar, ja schlimmer noch: Wer so agiert, hat wirtschaftlich keine Zukunft. Wäre die Operation Osterhase ein Startup, ihr würde schon nach wenigen Tagen der Geldhahn zugedreht. Dass die FDP da seit Jahren tatenlos zusieht, ist beinahe noch der grössere Skandal.
Vielleicht müssen wir den Osterhasen einfach grundlegend hinterfragen. Nicht nur würde uns eine Abschaffung zwei zusätzliche Arbeitstage ermöglichen, der Stress durch das Suchen von Osternestern bliebe uns ebenfalls erspart. Und die Bedeutung des Quid-pro-Quo in Zusammenarbeit mit Fantasiewesen würde wieder gestärkt. Schon der Nachwuchs soll wissen: Es gibt nichts für lau.
In diesem Sinne: Frohe letzte Ostern!
Deine Paula


